Zwergenwelt im Mattertal
Putzige Wesen trifft man manchmal in den Wäldern ob Randa. Dann nämlich, wenn Gro Truffer ihre handgefertigten Schafwolle-Zwerge in der freien Natur fotografiert. Unzählige drollige Zwerge bevölkern das Haus und die Werkstatt von Gro und Xaver Truffer-Gregersen im Walliser Bergdorf Randa. Liebevoll wurde den grösseren und kleineren Wichteln, Wichtelfrauen und -kindern ein Plätzchen zugeteilt. Fast immer sind es Gruppen von Zwergen, die umgeben von natürlichem Dekorationsmaterial uns Betrachter anschauen. Gro Truffer erklärt: «Zwerge sind keine Einzelgänger. Sie leben gerne in Gruppen und Familien.»
Es begann mit einem Kurs
Vor zwei Jahren besuchte die gebürtige Norwegerin einen Kurs bei Maria Sohm aus Watt ZH und lernte das Herstellen von Zwergen aus Schafwolle. Schon bei ihrem Erstling ist es Gro gelungen, ihre Vorstellungen umzusetzen. Gleicht der kleine Kerl einem Troll? Ist es Tomte Tummetott oder Nisse, der gute Knecht ? Jedenfalls haben die vier Trufferkinder den kleinen Kerl sofort ins Herz geschlossen. «Noch nie wurde einer meiner Zwerge kaputt gemacht. Die Kinder gehen behutsam mit ihnen um, weil sie lebendig wirken», erzählt Gro Truffer.
Jeder Zwerg ein Original
Unter ihren geschickten Händen entstehen aus grau-weissen Schafwolle-Kugeln Zwergenköpfe. Am Vortag wurden diese Kugeln gefilzt und in noch feuchtem Zustand werden nun die Gesichter eingenäht. Mit erstaunlich wenigen, aber gut platzierten Stichen entsteht der schelmische Gesichtsausdruck. Fast der ganze Zwerg besteht aus Schafwolle. Einzig das Körpergerüst ist aus Draht und die Bleifüsschen geben den nötigen Halt. Die Kleider werden aus selbst gefilzten Stoffen genäht. Viele Zwerge sind rot gekleidet. Gro lässt sich in der Farbenwahl aber auch von den Jahreszeiten inspirieren. Im Herbst sind braune, orange und gelbe Wichtelkleider entstanden. Aber auch blau und grün gekleidete Zwerge finden ihre Liebhaber.
Verkauf auf den Markt
Auf den Märkten in St. Niklaus, Visp und Zermatt, aber auch in Brig und Sion stellt Gro ihren Stand auf. Sie präsentiert ihre «Ware» sehr originell. Deshalb ist oft ein Gedränge vor ihrem Stand. Kinder sind dankbare Betrachter. Besonders vor Weihnachten kann Gro viele ihrer Zwerge verkaufen.
Zweitägige Kurse
Viel Freude und Genugtuung bereiten die Kurse, die Gro nun ihrerseits anbietet. Im Dachraum der Schreinerei Truffer, Randa, hat sie ein Atelier eingerichtet, das auch als Kursraum dient. Hier ist die gekardete Wolle gelagert, die zu Köpfen und Stoffen gefilzt wird. Auf einem Regal findet man verschiedene spezielle Wollen, z.B. vom Schwarznasenschaf oder von Heidschnucken, die später als Bärte und Kopfhaare die Gesichter umrahmen. Gut bewährt haben sich die zweitägigen Kurse. In 14 - 16 Stunden werden zwei Zwerge hergestellt. Im gemütlichen Atelier fühlt man sich in eine andere Welt versetzt. Wer gerne mit dem Naturprodukt Schafwolle arbeitet, kommt hier auf seine Rechnung. Bis jetzt wurde das Kursangebot von Gro Truffer noch nicht touristisch verwertet. Was nicht ist, kann aber noch werden. «Warum nicht einige Übernachtungen in Randa buchen und zusammen mit einer Freundin einen Zwergenkurs besuchen?», meint Gro.
Dieser Artikel ist erschienen im «Schweizer Bauer» vom 25. Nov. 2000
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