Jetzt ist es soweit! Der Laufstall für 26 Kühe ist fertig gebaut.
Hier sind einige Bilder

Kühe - einst und heute

 Die Kühe meines Vaters waren mächtige, starke Simmentaler Flecken. Ihre eher kleinen Euter hingen zwischen kräftigen Kuhbeinen und zum Stallboden betrug der Abstand beinahe einen halben Meter. Jedenfalls erinnere ich mich gut an die Melkhaltung meines Vaters. Der nicht kleingewachsene Mann sass auf seinem ebenfalls nicht kurzen Melkstuhl. Den Milchkessel zwischen den Beinen, kaum gebückte Haltung, Kopf oder Melkerkäppi an die Kuh gelehnt, massierte er die

Milch andächtig aus dem Euter. Weisse Strahlen rauschten abwechslungsweise in den Eimer. Bevor der erste Strahl fertig gezogen war, kam schon der zweite hinterher. Es gab also keinen Unterbruch, sondern eher ein Überschneiden. Dieses Melkgeräusch habe ich heute noch in den Ohren. Kein Motorenlärm störte. Als kleines Mädchen übte ich lange das Melkstuhlsitzen im Stallgang und schaute dabei dem Vater zu. Später sass ich immer noch hie und da im Stallgang, zwischenhinein konnte ich aber die nächste Kuh anrüsten. Wenn gut angerüstet war, konnte ich auch ein bisschen melken. Dass ich aber eine Kuh ganz melken konnte, gelang mir nie.

Unsere Kühe hiessen Luste, Falk, Fink, Adler, Stern, Kaiser, Veiel, Kleb, Spiess oder Blösch. Als dann weibliche Namen wie Alma oder Senta dazu kamen, klang das modern in meinen Ohren.

Die Kühe, die teilweise mit männlichen Namen angeredet wurden, waren einzelne eigenwillige «Persönlichkeiten». Jede trug beim Weidegang eine Glocke, die nach dem Dafürhalten meines Vaters zu ihr passte.

Die Kühe waren unser landwirtschaftliches Kapital. Die meisten erreichten ein hohes Alter. Es gab auch Krankheiten oder Unfälle im Stall, doch die selbst gezüchteten Rinder waren robust und langlebig. Wie es aber mit den Milchmengen aussah, das weiss ich nicht mehr.

Heute stehen in unseren Stall Kühe, die zierlicher sind, aber mit grossen Körpern ausgestattet sind. Mit Ausnahme einiger älterer Kühe sind sie ohne Hörner. Ich muss zugeben, der Umgang unter den Kühen und mit den Betreuern ist friedlicher. Aber das Markenzeichen, die Hörner, würden dazu beitragen, dass ich die Kühe besser unterscheiden könnte. Da es ein Zeichen der Zeit ist, grössere und rationellere Betriebe zu bewirtschaften, haben wir mit unserem Nachbarn eine Betriebsgemeinschaft gegründet. Nun stehen im gleichen Stall Rotfleckvieh und Braunvieh bunt gemischt durcheinander. Die Kühe tragen Namen wie Valbella, Duchesse, Leila, Dolores, Valerie, Nena, Olivia, Cony, Maika oder Jonta. Es sind Kuhdamen, die sich in Aussehen und Milchleistung nicht stark voneinander unterscheiden.

Wenn die Pläne der beiden Bauern nicht durchkreuzt werden, soll bald einmal ein komfortabler Laufstall und ein noch komfortablerer Melkstand gebaut werden, damit das weisse Gold, wie die Milch auch genannt werden kann, hygienisch und sauber gewonnen werden kann.

Ich freue mich darauf, dass unsere Rinder sich Tag und Nacht frei bewegen können!

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