| «Bschütte»
Im Frühling, wenn die Bauern die Gülle des Winters auf ihre Felder bringen, verdirbt der aufdringliche Geruch vielen die Freude an der erwachenden Natur.
Als Bäuerin mache ich mir schon jahrelang Gedanken zur Gülleausbringung. Ich weiss, dass die Gülle ein wertvoller Hofdünger ist, der der Pflanzenernährung dient. Im Kreislauf der Produktion unserer Lebensmittel ist die Gülle und damit das Ausbringen der Gülle eingeschlossen. Wir Lebewesen haben in unserem Ernährungskreislauf so genannte Abfallprodukte, die stinken. Die freiwerdenden Gase, die beim Abbau und der Umwandlung entstehen, reizen dann unsere Nasen und verderben uns die pure Freude an der Natur.
Der moderne Mensch umgibt sich mit feinen Düften und entledigt sich der stinkenden Materie auf eine Art, dass er sich kaum mehr mit den Nachteilen auseinandersetzen muss.
Auf unseren Bauernhöfen sind wir noch unmittelbar mit guten und schlechten Gerüchen konfrontiert. Wir lieben das Stinkige auch nicht, aber es gehört dazu.
Ich bin froh, dass wir nicht zur Massentierhaltung gezwungen werden. Dank einigermassen gerechter Preisen und Direktzahlungen finden wir vorläufig noch ein Auskommen. Wir können die Tiere auf die Weide bringen, so dass es weniger Gülle und Mist gibt. Die restliche Gülle, die durch den Winter anfällt, muss dank neuerer Methoden der Ausbringung nicht mehr in die Luft hinauf gespritzt werden. Mit dem Schleppschlauchverteiler lässt sich der Naturdünger direkt auf dem Boden verteilen. Passanten und Anwohner sind jeweils erstaunt, dass sie kaum mehr einen «Bschüttigestank» wahrnehmen.
Allerdings sind die Kosten höher als bei den herkömmlichen Ausbringmethoden.
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